Magdeburger Arbeitsgemeinschaft für Forschung
unter Raumfahrt- und Schwerelosigkeitsbedingungen

Aktuelles

 

Prof. Dr. med. Daniela Grimm

12. Juni 1961 – 9. September 2026

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserer Kollegin Prof. Dr. med. Daniela Grimm, die am 9. September 2026 plötzlich und unerwartet verstorben ist.

Frau Prof. Grimm war Gründungsmitglied und langjährige Koordinatorin der Magdeburger Arbeitsgemeinschaft für Forschung unter Raumfahrt- und Schwerelosigkeitsbedingungen (MARS). Die Arbeitsgemeinschaft MARS wurde durch ihr Engagement maßgeblich mitgestaltet und um zahlreiche neue Mitglieder erweitert.

Mit Frau Prof. Grimm verlieren wir eine international hoch angesehene Wissenschaftlerin, eine engagierte Hochschullehrerin und einen Menschen mit großer wissenschaftlicher Neugier, Energie und persönlichem Engagement.

Prof. Grimm wurde am 12. Juni 1961 in Lohr am Main geboren. Sie studierte Humanmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und wurde dort promoviert. Nach wissenschaftlichen und klinischen Stationen unter anderem in Regensburg und Berlin erwarb sie die Facharztanerkennungen für Innere Medizin und Klinische Pharmakologie. 2004 habilitierte sie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin für das Fach Innere Medizin. Eine weitere wichtige Station ihres wissenschaftlichen Lebens war die Universität Aarhus in Dänemark, an der sie auf den Gebieten der Pharmakologie und Weltraummedizin forschte und lehrte. Mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg war Prof. Grimm über viele Jahre eng verbunden. Nach einer langjährigen Tätigkeit als Gastprofessorin übernahm sie zum 1. Juni 2020 die Leitung der neu etablierten Abteilung für Mikrogravitation und Translationale Regenerative Medizin. Sie prägte deren interdisziplinäre Ausrichtung und trug wesentlich dazu bei, Magdeburg als Standort der nationalen und internationalen Mikrogravitationsforschung weiterzuentwickeln.

Seit über 25 Jahren galt ihre besondere wissenschaftliche Leidenschaft der Gravitationsbiologie und Weltraummedizin. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stand die Frage, wie sich menschliche Zellen unter realer und simulierter Mikrogravitation verändern und wie sich die dabei gewonnenen Erkenntnisse für Krebsforschung, Tissue Engineering und regenerative Medizin nutzen lassen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Beobachtung, dass sich verschiedene Zelltypen unter Mikrogravitation zu dreidimensionalen Strukturen organisieren können. Aus diesen Experimenten entstanden neue Ansätze zum Verständnis von Tumorentwicklung, Gefäßbildung und Geweberegeneration. Weltraumforschung war für Prof. Grimm dabei nie Selbstzweck. Sie verstand die Schwerelosigkeit als ein einzigartiges Forschungsinstrument, mit dessen Hilfe grundlegende biologische Prozesse untersucht und langfristig neue medizinische Perspektiven für Menschen auf der Erde unter Zuhilfenahme von Methoden aus Medizin, Zell- und Molekularbiologie, Ingenieurwissenschaften und Raumfahrtforschung entwickelt werden können.

Ihr wissenschaftliches Werk umfasst weit über 200 internationale Publikationen. Hinter dieser Zahl stehen Jahrzehnte intensiver Forschung und Zusammenarbeit mit KollegInnen, NachwuchswissenschaftlerInnen und StudentInnen aus vielen Ländern.

Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke. Wir werden ihre wissenschaftliche Neugier, ihren Ideenreichtum und ihre Begeisterung für die Forschung vermissen. Jedoch werden wir Prof. Grimm als herausragende Persönlichkeit, Wissenschaftlerin, Kollegin und Hochschullehrerin in dankbarer Erinnerung behalten.

Unser tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen Menschen, die ihr nahestanden.

Die Magdeburger Arbeitsgemeinschaft für Forschung unter Raumfahrt- und Schwerelosigkeitsbedingungen (MARS)

 

MDR Beitrag

Mondgipfel in Bayern

Warum die Mondforschung ohne Sachsen-Anhalt nicht gesund ist

 

Experiment JACKS auf der SubOrbital Express-4 Mission auf Esrange (Kiruna, Schweden)

 

Am 22. November öffnet sich das Startfenster für einen der am meisten erwarteten Raketenstarts des Jahres im Esrange Space Center in Schweden, das der Swedish Space Corporation (SSC) gehört und von ihr betrieben wird. Nach mehr als zwei Jahren der Planung und Vorbereitung wird SubOrbital Express-4 Wissenschaftlern aus den USA, Japan, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Schweden Zugang zum Weltraum verschaffen, siehe hier.

An Bord befinden sich sechs verschiedene wissenschaftliche Projekte, darunter Experimente, mit denen neue Erkenntnisse über das menschliche Immunsystem gewonnen werden sollen, Möglichkeiten zur Herstellung effizienterer Solarzellen für eine umweltfreundlichere Energieerzeugung sowie Granulatforschung, um Antworten auf die Frage nach der Entstehung unseres Planeten zu finden. In Kooperation mit der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg sind aktuell drei Projektwissenschaftler der Technischen Hochschule Brandenburg vor Ort. Kirsten Harth, Ralf Stannarius und Torsten Trittel hoffen auf gute Wetterbedingungen um den von der ESA und dem DLR geförderten Suborbitalflug durchführen zu können. Weitere Informationen finden sie hier.

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Experiment KORDYGA auf der 43. Parabelflugkampagne des DLR, September 2024, Bordeaux

 

Granulare Gase bestehen aus einer großen Anzahl fester, makroskopischer Teilchen, die durch mechanische Stöße miteinander wechselwirken, dabei Energie austauschen und ihre Bewegungszustände ändern. Sie können sich spontan zu kompakten Strukturen gruppieren, was beispielsweise bei der Entstehung von Himmelskörpern in der Kosmologie von grundlegender Bedeutung ist.

Auf der 43. Parabelflugkampagne des DLR haben wir erstmals eine neue Technik erprobt, mit der die Analyse der Bewegungsdaten der einzelnen Teilchen durch eingebettete Sensoren ermöglicht wird. Dies bietet insbesondere in dicht gepackten Ensembles erhebliche Vorteile gegenüber der optischen Aufzeichnung mit stereoskopischen Kameras beziehungsweise ergänzt diese Beobachtungstechnik wesentlich. Die Experimente waren in jeder Hinsicht erfolgreich und sie haben in großem Umfang Datenmaterial geliefert, das nun zur Auswertung bereitsteht. Neben erfahrenen Wissenschaftlern konnten auch zwei Studenten der TH Brandenburg an den Experimenten teilnehmen und ihre ersten Parabelflug-Erfahrungen sammeln.

 Kordyga_PFC

Letzte Änderung: 06.10.2026 -
Ansprechpartner: Torsten Trittel